Sanktionsprüfung: Darauf sollten Sie achten!

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Louis Thissen

Co-Founder von Acadias

Sanktionsprüfung

Die Sanktionsprüfung ist ein entscheidender Aspekt im Kampf gegen Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche und in der Compliance-Strategie von Unternehmen weltweit. Angesichts der zunehmenden Globalisierung und der verschärften internationalen Vorschriften ist es für Unternehmen unerlässlich, sich umfassend mit dem Thema Sanktionen auseinanderzusetzen. Das Geldwäschegesetz verpflichtet Finanzinstitute, Wirtschaftsprüfer und andere zur Sanktionsprüfung ihrer Kunden. Dieser Artikel bietet einen tiefen Einblick in die Welt der Sanktionen, deren Prüfung und die damit verbundenen Herausforderungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Bedeutung der Sanktionsprüfung: Die Sanktionsprüfung ist entscheidend im Kampf gegen Terrorismusfinanzierung und Geldwäsche sowie ein zentraler Bestandteil der Compliance-Strategie von Unternehmen, um rechtliche Risiken und Strafen zu vermeiden.
  • Arten von Sanktionen und deren Verwaltung: Sanktionen variieren von wirtschaftlichen über militärische bis hin zu politischen Maßnahmen, die von bedeutenden Sanktionsgremien wie den Vereinten Nationen, der Europäischen Union, den USA und dem Vereinigten Königreich erlassen und verwaltet werden.
  • Prozess der Sanktionsprüfung: Die Durchführung einer Sanktionsprüfung erfordert mehrere Phasen, darunter die Erfassung relevanter Daten, deren Überprüfung, das Screening gegen Sanktionslisten, die Analyse potenzieller Übereinstimmungen, die Dokumentation von Befunden und die kontinuierliche Überwachung zur Sicherstellung der Compliance.
Inhalte

Definition: Der Begriff “Sanktionen”

Sanktionen sind ein Instrument der internationalen Politik, das dazu dient, Sicherheit, Frieden und die Einhaltung internationaler Normen und Gesetze zu fördern. Sie können wirtschaftlicher, militärischer oder politischer Natur sein und zielen darauf ab, Verhaltensänderungen bei den sanktionierten Parteien zu bewirken. Die Komplexität und Vielfalt der Sanktionen machen eine sorgfältige Überwachung und Analyse durch Unternehmen notwendig, um Compliance sicherzustellen und Risiken zu vermeiden.

Arten von Sanktionen und Sanktionslisten

Die Bandbreite der Sanktionen ist groß und umfasst unter anderem Wirtschaftssanktionen, die den Handel mit Gütern, Dienstleistungen und Technologien betreffen, sowie Finanzsanktionen, die direkte Auswirkungen auf Transaktionen und Kapitalflüsse haben. Sanktionslisten sind dynamische Instrumente, die regelmäßig aktualisiert werden und die Namen von Individuen, Unternehmen, Organisationen und Ländern enthalten, mit denen bestimmte Arten von Geschäftsbeziehungen verboten oder eingeschränkt sind. Wichtig zu wissen ist, dass Sanktionslisten immer öffentlich zugänglich sind.

Alle Arten von Sanktionen, die von Sanktionsgremien der Staaten und Verbündeten erlassen werden:

  • Explizite Sanktionen: Einzelpersonen, Unternehmen und Staaten
  • Narrative und implizite Sanktionen: Einzelpersonen, Unternehmen und Staaten, die in Verbindung zu sanktionierten Sektoren stehen.
  • Sektorale Sanktionen: Bestimmte Bereiche innerhalb einer Volkswirtschaft. 
  • Umfassende Sanktionen: Sanktionen gegen ganze Staaten. Beispielsweise Iran.
  • Gezielte Sanktionen: Es wird versucht, einzelne Teile aus einer Volkswirtschaft zu behindern. Dazu zählen Personen und Unternehmen.

Sanktionen werden entwickelt und erlassen von verschieden “Sanktionsgremien” der Staaten und Verbündeten. Folgend sind die wichtigsten aufgelistet:

  1. Vereinte Nationen (UN): Die UN verhängt Sanktionen durch den Sicherheitsrat, der für die Aufrechterhaltung des internationalen Friedens und der Sicherheit zuständig ist. Sanktionen der UN können gegen Länder, Einzelpersonen, Unternehmen oder Organisationen verhängt werden, um Konflikte zu lösen, den Frieden wiederherzustellen und internationale Gesetze durchzusetzen.
  2. Europäische Union (EU): Der Europäische Auswärtige Dienst (EAD) ist für die Liste aller natürlichen und juristischen Personen verantwortlich. Diese Sanktionen sind oft darauf ausgerichtet, die Außen- und Sicherheitspolitik der EU zu unterstützen, Menschenrechtsverletzungen entgegenzuwirken und Demokratie sowie Rechtsstaatlichkeit zu fördern.
  3. Vereinigte Staaten (USA): Die USA verfügen über mehrere Sanktionsprogramme, die vom Department of the Treasury, insbesondere dem Office of Foreign Assets Control (OFAC), verwaltet werden. Diese Sanktionen richten sich gegen Länder, Terrorismus, Drogenhandel, Menschenrechtsverletzungen und andere Bedrohungen der nationalen Sicherheit und Außenpolitik der USA.
  4. Vereinigtes Königreich (UK): Nach dem Brexit hat das Vereinigte Königreich begonnen, sein eigenes Sanktionsregime zu entwickeln und umzusetzen. Durchgesetzt werden diese durch das Office for Financial Sanctions Implementation (OFSI).

Was ist bei einer Sanktionsprüfung zu beachten?

Die Durchführung einer Sanktionsprüfung ist komplex und fordert Unternehmen in vielerlei Hinsicht heraus. Hier sind einige wichtige Aspekte, die es zu berücksichtigen gilt:

Wann muss sie durchgeführt werden?

Sanktionsprüfungen sind nicht nur bei der Anbahnung neuer Geschäftsbeziehungen wichtig, sondern auch bei bestehenden Partnerschaften und im Rahmen des laufenden Risikomanagements. Die internationale Lage und die entsprechenden Listen können sich schnell ändern, was eine kontinuierliche Überwachung und Bewertung erforderlich macht.

Die Rolle der Identifizierung von Politisch exponierten Personen

Die Identifikation von PEPs ist ein kritischer Schritt, um potenzielle Risiken zu erkennen und angemessene Due-Diligence-Prüfungen durchzuführen. PEPs sind aufgrund ihrer Position und ihres Einflusses einem höheren Risiko ausgesetzt, in illegale Aktivitäten wie Korruption und Geldwäsche verwickelt zu sein. Unternehmen müssen daher einen Prozess implementieren, um PEPs effektiv zu identifizieren und zu überwachen.

Adverse Media: Der Einfluss auf die Sanktionsprüfung

Negative Medienberichterstattung kann wichtige Hinweise auf Risiken liefern, die möglicherweise noch nicht in den offiziellen Sanktionslisten erfasst sind. Die Überwachung von Adverse Media ermöglicht es Unternehmen, proaktiv potenzielle Bedrohungen für ihre Reputation und Compliance zu identifizieren. Dies erfordert den Einsatz fortschrittlicher Technologien und Algorithmen, um relevante Informationen aus einer Vielzahl von Quellen effizient zu sammeln und zu analysieren.

Die Umsetzung von Sanktionsprüfung

Phase 1: Erfassung

In der initialen Phase konzentriert sich das Verfahren auf die Sammlung essentieller Informationen, die für einen Abgleich mit Sanktionslisten notwendig sind. Dies bezieht sich in der Regel auf Daten von Kunden, möglichen Geschäftspartnern sowie Transaktionsdetails. Zu den gesammelten Informationen zählen üblicherweise Namen, Wohnadressen, Geburtstage, Staatsangehörigkeiten und weitere entscheidende Angaben.

Phase 2: Überprüfung

Nach der Erfassung der Daten folgt die essenzielle Phase ihrer Verifizierung, um deren Genauigkeit zu gewährleisten. In diesem Kontext erfolgt typischerweise ein Vergleich der gesammelten Informationen mit zusätzlichen Datenquellen, wie Identifikationspapieren, Handelsregistern oder Informationen von externen Datenanbietern. Das Hauptziel dieser Phase ist es, die Authentizität der Daten zu bestätigen, bevor sie im Rahmen der Sanktionsprüfung eingesetzt werden.

Phase 3: Screening

Mit der abgeschlossenen Sammlung und Verifikation der Daten beginnt die Phase des Screenings. Hierbei kommt spezielle Software für die Sanktionsprüfung zum Einsatz, die die erfassten Daten gegen internationale Sanktionslisten abgleicht. Diese Listen beinhalten Individuen, Organisationen oder Staaten, die von regulatorischen Institutionen mit Handelsbeschränkungen oder Sanktionen belegt wurden.

Phase 4: Analyse

Wird im Zuge der Sanktionsprüfung eine potenzielle Übereinstimmung identifiziert, schließt sich unmittelbar eine tiefgehende Analyse an. Das Ziel dieser Untersuchung ist es, die Relevanz der identifizierten Übereinstimmungen durch eine detaillierte Überprüfung und Anreicherung der Kundendaten zu bestätigen oder zu verwerfen. Dieser Schritt dient der Klärung, ob es sich bei den generierten Hinweisen um Fehlalarme oder tatsächliche Treffer handelt.

Phase 5: Dokumentation

Der Abschluss des Prozesses – und optional, abhängig von der Identifizierung einer gültigen Übereinstimmung – ist die Dokumentationsphase. In diesem Schritt wird, falls erforderlich, ein Bericht über verdächtige Aktivitäten (Suspicious Activity Report, SAR) gemäß den geltenden Vorschriften an die zuständige Behörde übermittelt. Eine Unterlassung dieser Meldung kann ernsthafte rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen.

Phase 6: Kontinuität

Ein kritischer, jedoch häufig vernachlässigter Aspekt des Prozesses ist die fortlaufende Kontrolle. Aufgrund der Dynamik von Gesetzeslagen und Sanktionslisten ist eine beständige Überwachung essentiell. Diese kann entweder in Echtzeit oder in regelmäßigen Abständen stattfinden, um die kontinuierliche Einhaltung der Sorgfaltspflichten zu garantieren.

Wie hilft Acadias?

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Was passiert bei einem Verstoß gegen die Sanktionsliste?

Die Konsequenzen von Sanktionsverstößen können gravierend sein und von hohen Geldstrafen über zivil- und strafrechtliche Verfolgung bis hin zum Verlust von Geschäftslizenzen reichen. Darüber hinaus kann der Reputationsschaden langfristige negative Auswirkungen auf das Vertrauen von Kunden, Partnern und Investoren haben. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Unternehmen robuste Compliance-Programme implementieren und ständig weiterentwickeln, um solche Risiken zu minimieren.

Wo kann ich prüfen, wer auf einer Sanktionsliste steht?

Die Überprüfung von Sanktionslisten kann über verschiedene Kanäle erfolgen. Viele Regierungen und internationale Organisationen stellen ihre Listen online zur Verfügung und bieten Suchfunktionen an, um die Überprüfung zu erleichtern. Darüber hinaus können Sie mit Acadias Ihre Kunden über eine einfache Eingabemaske prüfen. Acadias hat alle weltweit relevanten Sanktions, PeP- und Terrorlisten angebunden. Sie erhalten als Ergebnis einen übersichtlichen Report über Ihren Kunden. Mit Acadias können Sie durch Automatisierung der Sanktionsprüfung den Prozess effizienter und wirksamer gestalten. Was bei Treffern zu beachten ist, erfahren Sie aus unserer Risikoeinschätzung.

Häufig gestellte Fragen

Sie hilft Unternehmen, rechtliche Risiken und Strafen zu vermeiden, indem sichergestellt wird, dass sie nicht mit sanktionierten Parteien Geschäfte machen.

Eine Sanktionsprüfung erfolgt durch Abgleich der Kundendaten mit aktuellen Sanktionslisten unter Verwendung spezialisierter Software oder Dienstleistungen. Wir ermöglichen Ihnen eine einfache Umsetzung.

Unternehmen nutzen Abonnementdienste für Updates, spezialisierte Compliance-Software und regelmäßige Überprüfungen, um aktuelle Listen zu erhalten. Unsere Software ist immer auf dem aktuellsten Stand und ermöglicht Ihnen ein kontinuierliche Prüfung auf höchstem Niveau.

Verstöße können zu schweren finanziellen Strafen, rechtlichen Sanktionen und Reputationsschäden führen.

Durch den Einsatz von Cloud-basierten Compliance-Lösungen und Dienstleistungen können auch kleinere Unternehmen effektive Sanktionsprüfungen durchführen. Fragen Sie uns gerne an. Wir helfen Ihnen, eine solche Lösung innerhalb kürzester Zeit zu implementieren

Geopolitische Entwicklungen und internationale Beziehungen beeinflussen die Aufnahme oder Entfernung von Einträgen auf Sanktionslisten. Ein Beispiel ist der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine.

Ja, bestimmte Branchen wie das Bankwesen, die Finanzdienstleistungen und der internationale Handel unterliegen strengeren und spezifischeren Sanktionsprüfungsvorschriften. Die Basis dafür ist in Deutschland das Geldwäschegesetz.